TV 1894 Nieder-Beerbach e.V.

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Aus der Geschichte des Turnvereins 1894 Nieder-Beerbach

Von der Gründung bis zum Beginn des 1. Weltkrieges

In einer Zeit, in der überall in Stadt und Land Turn-, Gesang- und Wandervereine gegründet wurden, fanden sich auch in Nieder-Beerbach angesehene Bürger zusammen und riefen am 2. September den Turnverein 1894 ins Leben.

Geschehen: Nieder-Beerbach, 2. September 1894


1. Protokoll

In der heutigen Hauptversammlung, in welcher die definitive Gründung des Turnvereins Nieder-Beerbach vollzogen wurde, wurden anstehende Beschlüsse erledigt.:

Den Vorsitz der Versammlung führte Herr Lehrer Walther, welcher dieselbe eröffnete und zunächst Herrn Knoos aus Bickenbach das Wort erteilte.

Nachdem die Vorberatungen erledigt waren, wurde zur Wahl des Vorstandes geschritten. Das Resultat war folgendes:

  1. 1. Sprecher: Lehrer Walther
  2. 2. Sprecher: Jacob Geibel II
  3. Schriftführer: Heinrich Stüber II
  4. Rechner: Heinrich Pritsch
  5. 1. Turnwart: Adam Schneider
  6. 2. Turnwart: Jean Reiß
  7. Zeugwart: Georg Pritsch
  8. Als 1. & 2. Beirat wurden gewählt: Friedrich Roß II und Peter Stüber II
  9. Die Turnstunden wurden festgesetzt auf die Wochentage:
    Dienstag & Donnerstag

Der Vorstand

1. Sprecher: Walther
1. Schriftführer: Stüber
2. Sprecher: Geibel II

Die ersten Jahre nach der Gründung waren nicht einfach. In den folgenden Protokollen steht zu lesen:

24.Febr.1895:


In der heutigen Monatsversammlung, welche zahlreich von Mitglieder besucht war, wurden nachverzeichnete Anträge erledigt: Etwaige Mitglieder, welche ohne Entschuldigung dreimal in der Turnstunde fehlen, sollen vom Verein ausgeschlossen werden, die Monatsbeiträge müssen jedes mal bis zum 10. eines jeden Monats entrichtet werden, für die Ausbildung der Spielleute wurde Jakob Fertig ernannt, wofür ihm ein Gehalt von 3 Mark monatlich bewilligt wurde.

Für jede Neubeschaffung von Turngeräten fehlte es an Geld. So heißt es im 10. Protokoll vom 9. Febr. 1898

Im Jahre 1898 soll noch ein Schränkchen angeschafft werden, während dieser Zeit will Herr Lehrer Berg ein Köfferchen zu diesem Zweck dem Verein leihen.

Der Turnplatz konnte in dem Anwesen des Georg Simmermacher gefunden werden. Es bot sich die Gelegenheit, im Grasgarten zu turnen und im Winter im Saal des Gasthauses die entsprechenden Turnübungen durchzuführen. Leider mußte die Turnarbeit oft unterbrochen werden, so bei der Heu- und Obsternte, der Apfelweinherstellung u.a.m. Ein neuer Turnplatz, der nur den Turnern dienen sollte, mußte geschaffen werden, auch der Schulhof war für das Turnen der Kinder ungeeignet. So wurde in Zusammenarbeit mit der Gemeinde von dieser ein Kirchengrundstück hinter dem Anwesen des Friedel Krämer gepachtet, das der Turnverein für die Hälfte des Pachtgeldes mitbenutzen konnte.

Für eine Umzäunung stellte die bürgerliche Gemeinde die Pfosten, der Turnverein den Draht. Zum Aufbau einer Hütte für die Aufbewahrung der Turngeräte zahlte die Gemeinde einen Beitrag von 70 Mark. So konnte nun auf diesem Platz gut geturnt werden. Im Winter jedoch mußte weiterhin der Saal im "Darmstädter Hof" benutzt werden.

In einer wichtigen Vorstandssitzung am 10. Jan. 1906 wurde die Anschaffung einer Vereinsfahne nach folgenden interessanten Bestimmungen beschlossen:

Das Fahnentuch besteht aus 1a Wollrips 150 x 130 groß.

Vorderseite:

rot inmitten Turnwappen mit Emblem und Eichenlaub, darüber Turnerhut und Band, Gut Heil. In den Ecken frisch, fromm, froh, frei. Inschrift: Turnverein Nieder-Beerbach 1894 - 1906 Gewidmet von den Frauen und Jungfrauen

Rückseite:

weiß inmitten Germania mit Schild "Gut Heil" umgeben von einem Eichenkranz. In den Ecken Eichenzweige.

Devise:

"Ein freies Volk voll Einigkeit und Kraft, sei das Panier der deutschen Turnerschaft."

Goldfransen, zweiteilige Stange, überzug, Tragriemen, Goldquasten mit Schnur, Trauerflor, 3 Schärpen und 3 Paar Stulpen.

Die Spitze besteht aus einem fliegenden Adler. Der Preis ist unter franko Zusendung 300 Mk, zahlbar nach der Weihe.

Am 16. Januar 1906 lehnte der seitherige 1. Sprecher Walther wegen Wegzugs eine Wiederwahl ab. An seine Stelle wurde Jakob Lengfelder zum 1. Sprecher gewählt. Nun entstand damit auch neues Leben im Verein.

Das geplante Fahnenweihfest wurde mit der Gauturnfahrt 1906 nach Nieder-Beerbach verbunden. Im Protokollbuch wird auf 14 Seiten der geplante Ablauf des Festes in allen Einzelheiten beschrieben: Dauer des Festes: 3 Tage - 26., 27. und 28. Mai. Festplatz, Spiel- und Turnplatz: dicht am Südrand des Ortes, auf den Liegenschaften der Herren Fischer, Bergsträßer und Stüber. Turnplatz auf dem Acker des Herrn Peter Frank für Stabhochsprung, Kugelstoßen und Wettringen, Faustball und Schleuderball.

Die Festmusik wurde für die 3 Festtage für 230 Mk von der Kapelle Spieß ausgeführt. Ausführlich wird die Kleidung der Ehren- und Festdamen beschrieben und ihre Aufstellung im Festzug. Der Eintritt für den Festball am 27. Mai im "Darmstädter Hof" betrug für Nichtmitglieder 1 Mk. Von der Fest- und Eintrittskarte wurde 2000 Stück gedruckt, beachtenswert der Eintrittspreis von 30 Pfennig. Das Festprogramm stand auf der Rückseite und auf großen Plakaten, die an alle Gauvereine verschickt und in Wirtschaften ausgehängt wurden. Pachtverträge wurden ausgehandelt für Wein- und Bierstände, Karussell, Galanteriewaren (Schmuck- und Kurzwaren), Metzger. (Chr. Lautenschläger), Bäcker (Karl Fischer), .Schießbude, Zigarren und Postkarten. 2 Ehrenpforten wurden genau festgelegt. Die Schmückung der Straßen mit Bäumen aus dem Gemeindewald vorgenommen. Die Ortsvereine (Radfahrer, Orts- und Kirchenvorstand) waren beteiligt. Die Festausschüsse werden mit ihren Mitgliedern namentlich aufgezählt.

Insgesamt waren 34 Vereine mit 794 Teilnehmern zur Gauturnfahrt nach Nieder-Beerbach gemeldet worden. Die Festrechnung zum Fahnenweihfest: Ausgaben 960 Mark, Einnahmen 800 Mark. Der Fehlbetrag wurde durch die Spareinlage des Vereins gedeckt. Wie in dem Zeitungsbericht zu lesen ist, regnete es am Festsonntag vom Morgen bis zum Abend in Strömen.

Der Turnverein verzagte nach diesem so schlecht verlaufenen Fest der Fahnenweihe nicht. Der Turnbetrieb wurde wie seither weitergerührt. Im Frühjahr 1908 blühte das Vereinsleben wieder kräftig auf und konnte ohne Störungen fortgeführt werden. Gauturnfahrten und Gauturnfeste wurden gut besucht. Namentlich werden die vielen Sieger im Protokollbuch genannt.

12 Turner des Vereins nahmen am 11. Deutschen Turnfest 1908 in Frankfurt teil. Sie marschierten mit der Vereinsfahne im Festzug mit. Am 9. Oktober 1910, in einer Versammlung, die sich an das Abturnen anschloß, legte Lehrer Lengfelder, der mittlerweile zum Ehrenvorsitzenden ernannt worden war, den Vorsitz nieder und übertrug dem Lehrer Ludwig Jourdan die Führung des Vereins. Dieser gehörte der Turngesellschaft Walldorf bereits mehrere Jahre als Kulturwart an. Als Dreiundzwanzigjähriger übernahm er die Leitung des Vereins. In den folgenden Jahren wurde das Vereinsleben bereichert, indem durch eine straffe Führung der Turnwarte die Turnstunden fleißiger besucht wurden. Das Fehlen in der Turnstunde wurde mit kleinen Geldstrafen, oder wenn es sich mehrfach wiederholte sogar mit dem Ausschluß aus dem Verein geahndet.

In jedem Jahr wurden Schauturnen und Abturnen veranstaltet. An manchem Gauturnfest wurde eine Musterriege des Vereins gestellt. 10 Turner des Vereins beteiligten sich am 18. Oktober 1913 an den Eilbotenläufen zum Völkerschlachtendenkmal, an denen etwa 40000 Turner teilnahmen.

Vom Beginn des 1. Weltkrieges bis zur Wiedergründung nach dem 2. Weltkrieg

Das 20-jährige Stiftungsfest fand acht Tage vor Kriegsausbruch 1914 statt. Leider gab es aber noch Schwierigkeiten bei dem Turnbetrieb im Winter. Mit der Zeit wurde es sehr störend empfunden, keine eigene übungsstätte zu besitzen. Daher entschloss sich der Verein einen eigenen Platz zu kaufen, um auf diesem dann später eine Turnhalle errichten zu können. so wurde 1919 von Georg Pritsch Ww. dem Turnverein der heutige, sehr günstig gelegene Platz angeboten und dann auch verkauft. Mit der Einweihung am 31. August 1919 wurde die Feier des 25-jähringen Bestehens verbunden. 11 Mitglieder des Vereins erhielten Ehrenurkunden für 25-jähringe Mitgliedschaft.

Nun hatte der Verein einen schönen, großen Platz und konnte seine Turnarbeit durch mehrere Disziplinen erweitern. Es war auch möglich, hier einen Gedenkstein für die Gefallenen des Weltkriegs 1914 - 18 zu errichten. Acht Namen kunden von dem Opfermut unserer Mitglieder. Dieser Gedenkstein wurde später noch durch seitlich angebrachte Steine mit den 12 Namen unserer im 2. Weltkrieg gefallenen und gestorbenen Mitglieder erweitert.

In den zwanziger Jahren herrschte im Turnverein ein reges Vereinsleben. Abturnen, Schauturnen, Vereinswanderungen wurden regelmäßig durchgeführt. Die Mitglieder nahmen an den Festen anderer Vereine und der größeren Verbände immer regen Anteil, z.B. Jugendwettturnen, Hallenturnen, Frühjahrs- und Herbstwaldläufe, Gaufrauenturnen, Gauturnfest, Feldbergturnfest und Deutsche Turnfeste. 1923 fuhren 10 Turner zum Deutschen Turnfest nach München.

Am 26. und 27. Juli 1924 feierte der Verein mit einem Fackelzug am Samstag und Kirchgang, Feier am Gedenkstein und einem Vereinsball sein 30. Stiftungsfest.

1928 fuhren 8 Turner und 1 Turnerin zum Deutschen Turnfest nach Köln. Im Jahre 1930 wurde von der Reichsvermögensverwaltung auf dem Griesheimer Sand eine sogenannte Lazarettbaracke angeboten. Nach schwierigen Verhandlungen war es möglich mit dem Turnverein Groß-Rohrheim eine solche Baracke zu erwerben. Diese spätere Turnhalle wurde von den Mitgliedern abgebaut und das Material von den Landwirten des Dorfes auf den Turnplatz gefahren. Unentgeltlich, alle Achtung! Der ganze Verein war wie ein Bienenschwarm. Mit einem heute nicht mehr denkbaren Einsatz aller Mitglieder wurde im Herbst 1930 begonnen. Am 1. August 1931 konnte die neue Turnhalle (14 x 30m) in einer groß angelegten Feierstunde eingeweiht werden, der ein Fackelzug vorausging. Wohl 600 Leute konnte der Vorsitzende begrüßen. Gauvertreter Roth hielt die Weiherede. In das Fundament der Halle wurde ein Schriftstück des Vorsitzenden mit einer Fotografie des Turnvereins und verschiedenen Geldstücken eingemauert. Der Schluß des Schriftstücks lautet:

"Möge Gott den Bau schützen und möge er seinem guten Zwecke recht lange dienen zum Wohle unserer Jugend und dem unseres Volkes und Vaterlandes."

Eine Abrechnung über den Aufbau der Halle einschließlich der Selbsthilfeleistungen ergab den Betrag von 21.135,00M. Mit dem neuen Heim, das für die damalige Zeit, gemessen an der Vereinsstärke, einmalig war, erfuhr das Vereinsleben eine neue Blütezeit. Am 2. Sept. 1934 konnte das 40-jährige Stiftungsfest gefeiert werden, zu dem 12 auswärtige Vereine eingeladen waren.

Neben der rein turnerischen Betätigung der Vereinsmitglieder schaffte man auch Werte kultureller Art. Man veranstaltete Vereinsabende. oft mit Unterstützung des Gesangvereins "Frohsinn" Weihnachtsabende und Sommerfeste fanden guten Zuspruch. Die Theaterabende, lange Jahre am 2. Weihnachtsfeiertag, erfreuten sich besonderer Beliebtheit. Aus der langen Reihe der abendfüllenden Spiele sollen nur einige genannt werden: "Der tolle Hund" und "Datterich" von Niebergall, "Die gehaalte Geschwister", "Der Freischütz", "Im weißen Rössl", "Heimatliebe", "Die Grabesbraut", "Die Räuber" und "Alt Heidelberg".

Der 2. Weltkrieg und der Wiederaufbau bis heute

1937 erfolgte die überführung der Deutschen Turnerschaft in den Reichsbund für Leibesübungen. Für das Deutsche Turnfest 1938 in Breslau hatten sich 4 Turner gemeldet.

Der zweite Weltkrieg mit seinen Folgeerscheinungen unterbrach die Vereinstätigkeit. Während des Krieges wurde die Halle als Autoreparaturwerkstatt beschlagnahmt und somit zweckentfremdet. Vom Juli 1939 bis zur Neugründung des Vereins am 23.11.1949 sind im Protokollbuch keine Eintragungen, der Vereinsbetrieb ruhte. Erst nach der Rechtfertigung durch den Vorsitzenden des DTB, des damaligen Frankfurter Oberbürgermeisters Dr. Walter Kolb im Jahre 1948, konnte auch die Arbeit in den Vereinen wieder beginnen. Sie mußten sich als Rechtsnachfolger der Vereine nachweisen, die 1945 durch die alliierten Siegermächte aufgelöst worden waren. Die Neugründung bzw. Wiederzulassung des Vereins war Thema vieler Versammlungen im Jahre 1949.

Der SKG waren die Turnhalle mit Geräten und der Turnplatz zur Mitbenutzung zur Verfügung gestellt worden. Am 23.11.1949 wird der Turnverein Nieder-Beerbach, dank der Bemühungen seines langjährigen Vorsitzenden Ludwig Jourdan, wieder selbständiger Besitzer der Turnhalle, die auch durch die Schule mitbenutzt werden darf. Auch der Gesangverein "Frohsinn", der Geflügelzuchtverein und die Freiwillige Feuerwehr benutzen seit 1951 die Halle für ihre Veranstaltungen.

In einem Festabend am 28. August 1954 in der Turnhalle, verbunden mit dem Festkommers für das Frankenstein-Bergturnfest, feiert der Turnverein sein 60-jähriges Bestehen.

Bestrebungen der Jugend, die sich über 5 Jahre hinzogen (1952-1958), die beiden sporttreibenden Vereine des Ortes in einem gemeinsamen Turn- und Sportverein zusammenzuschließen scheiterten. Eine gute Zusammenarbeit von 1955-1958 ergab sich allerdings bei der Ausrichtung der Frankenstein-Bergturnfeste. Mitglieder des Nieder-Beerbacher Turnvereins wirkten seit 1948 bei der Durchführung und seit 1955 im Festausschuß des Frankenstein-Bergturnfests tatkräftig mit.

Der Verein übernahm 1958 mit der alleinigen Ausrichtung dieses größten südhessischen Bergturnfests unter Leitung seines Ausschußvorsitzenden Heinz Schenk eine gewaltige Aufgabe, die alljährlich Dank und Anerkennung bei allen Teilnehmern findet.

Große Verdienste hat sich der langjährige Vereinsvorsitzende Ludwig Jourdan erworben, als er sein Amt nach 47-jähriger Tätigkeit aus Altersgründen 1957 abgab. Es folgten dann als Vorsitzende in kurzen Zeitabständen Heinz Schenk, von 1957 bis 1959 Karl Schwinn III, von 1959 bis 1963 Georg Pritsch II (Obergasse) und von 1963 bis 1966 Georg Pritsch I (Quergasse). In einer sauberen, schwungvollen Handschrift wird im Protokollbuch von dem damaligen Schriftführer Willi Merkel in den Jahren 1957 bis 1965 ganz ausführlich über das Vereinsgeschehen berichtet. Im Oktober 1958 findet die erneute Einweihung des Ehrenmals auf dem Turnplatz statt.

Im November 1963 wird die Tischtennisabteilung gegründet. Im Mai 1964 wird die dritte Jugendfreizeit in der Jugendherberge in Eberbach am Neckar durchgerührt. Am 7. Juli 1964 findet aus Anlaß des 70-jährigen Bestehens ein großes Sommerfest statt.

Am 30.12.1966 übernahm dann unser jetziger Ehrenvorsitzender Friedel Germann dieses verantwortungsvolle Amt. Eine stetige Aufwärtsentwicklung wurde eingeleitet, was unter anderem auch aus der Mitgliederbewegung seit dieser Zeit zu ersehen ist, z.B. 1966: 128 und 1967 schon 156 Mitglieder. Der Aufschwung des Vereinslebens in den letzten 25 Jahren ist in erster Linie der Verdienst unseres Vereinsvorstandes vor allem des derzeitigen unter der zielstrebigen Leitung des Vorsitzenden Friedel Germann. In einem großen Festabend in der Jahnturnhalle wurde das 75. Jubiläum des Turnvereins am 14. Juli 1969 im Beisein vieler prominenter Gäste würdig begangen. Beim Programm wirkten der Leonhard Beßler Spielmannszug, Eberstadt, der Gesangverein "Frohsinn", eine Kunstturnriege aus Ober-Ramstadt, die Tanzgruppe des eigenen Vereins, das Mühlberg Trio aus Pfungstadt und eine Gruppe der Judo-Abteilung des SV 98 Darmstadt mit. Alle Redner lobten in ihren Ansprachen die Initiative des Vereins und die Tätigkeit der Turnvereine für die Gesunderhaltung der Bevölkerung. Werner Mais überreichte die Ehrenplakette des Hessischen Turnverbands.

Am 15. Juli 1969 fand dann auf den leichtathletischen Anlagen ein Turn- und Sportfest statt. Außerdem fanden noch ein Tischtennis- und Faustballturnier statt. Nun sollen hier einmal die wichtigsten Leistungen, vor allem die vielen großen Baumaßnahmen, genannt werden, die in den letzten 22 Jahren durchgeführt wurden. Am 13. September 1970 konnte die Umgestaltung und Erweiterung des Turnplatzes und die damit verbundene neu Erstellung leichtathletischer Anlagen mit einem großen Sportfest eingeweiht werden. In Selbsthilfe war das Bachufer neu befestigt worden, ein neuer Rasenplatz mit Fertigrasen war entstanden.

1973 wurde der Mittelteil der Turnhalle abgerissen und durch einen Neuaufbau ersetzt. Die Turnplatzeinfahrt wurde erweitert und 1978 mit Verbund-Pflaster ausgelegt.

Mit einem Festabend am 30.03.1974 beging der Verein sein 80-jähriges Jubiläum und weihte gleichzeitig die umgebaute Jahnturnhalle ein. Das Programm wurde vom Gesangverein "Frohsinn" und den einzelnen Abteilungen des Vereins gestaltet.

1975 wurde die Finanzierung des 2. Bauabschnitts in Angriff genommen, so daß schon ein Jahr später mit dem Abriß des vorderen Teils der Halle begonnen werden konnte. Am 3.12.1976 konnte die Rohbaumaßnahme abgeschlossen und das Richtfest gefeiert werden. Am 29.4.1978 konnte der 2. Bauabschnitt nach zweijähriger Bauzeit eingeweiht werden.

1979 wurde mit der Bildung der Tennisgemeinschaft begonnen, der Satzungsentwurf und die Finanzierung der Anlage zogen sich ein ganzes Jahr hin, so daß 1980 erst mit dem Spielbetrieb begonnen werden konnte. Träger der Tennisgemeinschaft Nieder-Beerbach sind die Sport- und Kulturgemeinde und der Turnverein.

1983 wurde mit der Planung und Finanzierung des 3. Bauabschnittes der Jahnturnhalle begonnen. Hier zeichnete unser Vereinsmitglied Wolfgang Gwisdek verantwortlich.

Trotz des Umbaus wurden der übungsbetrieb und der Schulsport nicht gestört. Am 4. Oktober 1986 wurde Richtfest gefeiert. Am 9. Mai 1987 wurde dann der 3. Bauabschnitt der Jahntumhalle eingeweiht und damit ihre endgültige Vollendung.

Inzwischen ist die Jahntumhalle durch vielen Veranstaltungen und den wöchentlichen übungsbetrieb voll ausgelastet. Selbst das Gemeindezentrum in Nieder-Beerbach und die Großsporthalle in Nieder-Ramstadt werden von Abteilungen des Turnvereins noch genutzt. Bei vielen Wettkämpfen und Turnfesten sind die Mitglieder des Vereins mit zahlreichen Teilnehmern und Abordnungen vertreten, so z. B. bei den Dt. Turnfesten 1953 in Hamburg (2 Turner), 1958 in München (10 Turner), 1963 in Essen, 1968 in Berlin (7 Turner), 1973 in Stuttgart (10 Turner), 1978 in Hannover, 1983 in Frankfurt, 1987 in Berlin (14 Teilnehmer) und 1990 in Dortmund-Bochum, Hamburg 1994 und zuletzt München 1998. Die Vereinsfahne wurde jeweils mitgeführt.

Bei Landesturnfesten in Fulda 1985, und Wiesbaden 1989, Hanau 1993 und Wetzlar 1997 und den Landeskinderturnfesten in Bürstadt 1991 und Wiesbaden 1999 waren Vereinsgruppen aktiv dabei.

Die Abteilung Trampolinturnen, gegründet 1970, richtete mehrmals die Hessische und Deutsche Trampolinmeisterschaften aus. Die Trampolinturner beteiligten sich sogar an internationalen Wettbewerben.

Die Volkstanz- und Trachtengruppe Mühltal unterhält ständige Beziehungen zu befreundeten Gruppen in Schweden und in der Schweiz.

So wurde der Name des Turnvereins Nieder-Beerbach weit über den Turngau Main-Rhein und den Hessischen Turnverband hinaus in den letzten Jahren auch im Ausland bekannt. Nachfolgend sollen die wichtigsten Ereignisse der letzten Jahre in der Geschichte des Turnvereins nur stichwortartig genannt werden.

Im Jahre 1993 wird in vielen Vorstandssitzungen und Vereinsversammlungen die Organisation des 100-jährigen Vereinsjubiläums geplant. Der Termin für die Festwoche wird auf den 8.-10.07.1994 festgelegt. Die akademische Feier soll am 10. Juni sein und die Deutschen Trampolinmeisterschaften am 10. September. Dazu kommen die Sportabzeichen - Auftaktveranstaltung des Sportkreises 33 am 27. Mai, das Bergturnfest am 04. Sept. und das Gautreffen der älteren Turner am 25. Oktober 1994.

Als Festplatz dient der Parkplatz an den Tennisplätzen. Schirmherr des Jubiläumsfestes wird Landrat Dr. Hans Joachim Klein und Festpräsident Bürgermeister Ansgar Rinder. Der Obst- und Gartenbauverein, der ebenfalls sein 100-jähriges Bestehen feiern kann, nimmt mit am Programm des Turnvereins teil. Eine enorme Aufgabe, die Organisation eines so umfangreichen Jubiläumsfestes, die der Vorstand und die Festausschüsse für die Mitglieder des Vereins und die Einwohnerschaft von Nieder-Beerbach übernommen haben.

Aus dieser Vereinschronik mag zu ersehen sein, wieviel der Turnverein 1894 e.V. für seine Heimatgemeinde und seine Mitglieder getan hat. Rückschauend kann man wohl feststellen, dass sich durch mustergültiges Streben aus kleinsten Anfängen ein blühendes Vereinsleben entwickelt hat.

Mögen sich auch in Zukunft Vorstände, übungsleiter, Helfer und Trainer finden, die den Turnbetrieb auf seiner jetzigen Höhe halten. Ihnen gebührt der Dank und die Anerkennung des Vereins für ihren ehrenamtlichen Einsatz. Solange sich in Zukunft solche Idealisten finden, die mit Freude für den Verein arbeiten, wird die Entwicklung weiter aufwärts gehen.

Heinz Schenk (1993/94)
aus: 100 Jahre Turnverein Nieder-Beerbach
Zusammenfassung Jutta Bausch (1999)